Benutzerschnittstelle (UI) und Benutzererfahrung (UX) in der Gestaltung von Einzelhandelsflächen

 
 Shop Ann-L in Holbæk, Denmark. Weiße Elemente dominieren die Inneneinrichtung und persönlicher Raum erlauben dem Kunden durchzuatmen und erhöhen somit das positive Einkaufserlebnis.

Shop Ann-L in Holbæk, Denmark. Weiße Elemente dominieren die Inneneinrichtung und persönlicher Raum erlauben dem Kunden durchzuatmen und erhöhen somit das positive Einkaufserlebnis.

Von Tom Van Soest, CEO, Visual Retailing

 

Stellen Sie sich ein Geschäft vor, in dem sich das Produkt nie ändert. Die Displays sind monoton und uninteressant, während die Kleiderstangen mit Bügeln überfüllt sind. Die Kunden gehen überfordert umher und stoßen sich auf engem Raum überall an. Das klingt nicht gerade nach einem tollen Einkaufserlebnis, oder? Doch das ist leider genau das, was Käufer erleben, wenn eine Verkaufsfläche nicht richtig gestaltet ist.

Intelligentes Design verwandelt das Einkaufen von einer auf Nützlichkeit ausgerichteten Tätigkeit in eine angenehme und dynamische Erfahrung. Die Verbesserung des Einkaufserlebnisses kann zu der Art von Messgrößen führen, von denen Einzelhändler träumen: erhöhte Kundenloyalität, bessere Marken-Differenzierung, höhere Kundenzufriedenheit und höhere Profite.

Eine Studie des Fashion Institute of Technology kam zu dem Schluss, dass trotz des Wachstums des E-Commerce immer noch 75 Prozent des Einzelhandels aus physischen Schaufenstern bestehen und somit nach wie vor extrem wichtig sind. Das heißt, der stationäre Handel muss seine vier Schlüsselelemente Sortiment, Service, Lenkung und Produkt neu denken und neu erfinden.

Neben einem rein funktionalen Raum müssen Einzelhändler bei der Gestaltung auch die emotionale und mentale Ästhetik berücksichtigen.

Psychologie spielt eine zentrale Rolle bei der Planung der Interaktion zwischen Verkaufsraum und Kunde. Um ein optimales Benutzererlebnis zu bieten, müssen Sie sich in die Benutzer hineinversetzen und deren Absichten verstehen, noch bevor sie diese es selbst tun. Diese Informationen ermöglichen es Ihnen, einen passenden Weg dorthin zu ebnen, wohin sie gehen wollen, und Ihre besten Produkte perfekt zu präsentieren.

Einkaufen sollte ein fließendes, visuell aufregendes und immersives Erlebnis sein, das die individuellen Einkaufsbedürfnisse steigert. Daher ist es für Einzelhändler unerlässlich, innovative Ansätze und mehrere Zugangspunkte zu entwickeln, die den veränderten Lebensstilen Ihrer Kunden gerecht werden.

Die Grundlage für die Gestaltung großer Flächen ist das Verständnis für das Verhalten der Endnutzer sowie für ihre Bedürfnisse und Motivationen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Benutzerschnittstelle User Interface (UI) und die Benutzererfahrung User Experience (UX) sind zwei Ansätze, die ein enormes Potenzial im Bereich des Einzelhandels haben.


Definition von UI

Das Design der Benutzerschnittstelle (UI) umfasst alles, mit dem eine Person interagieren kann. UI verbessert das Gesamterlebnis des Kunden und ist ein entscheidendes Schlüsselelement für das Markenvertrauen.

Aus der Sicht des Einzelhandels geht dies von Einrichtungen von zu Auslagen und Schaufenstern  über das Produkt selbst bis hin zu Verkäufern. Es sind das Vermitteln der Marke und die visuelle Leitlinie, die den Nutzer durch sein Einkaufserlebnis führen.

Bei der Gestaltung einer Verkaufsfläche ist es unerlässlich, die UI im Auge zu behalten, wenn es um die Gestaltung von Raum, visueller Hierarchie und Einkaufsmöglichkeiten geht.

Benutzbarkeit

Während einige Einzelhändler das Gefühl haben, dass Lagerhaltung eine Verschwendung von Platz und Zeit ist, ist es eher kontraproduktiv, alle Ihre Produkte im Laden zu präsentieren und diesen unnötig vollzustopfen.

Aus Perspektive des Designers bezieht sich die Brauchbarkeit darauf, dass Benutzer sich auf Ihrer Website wohlfühlen. Diese Tatsache in den stationären Handel übersetzt, geht es darum, dass das Geschäft für Kunden gut funktional optimiert wird. Wenn ein Käufer ständig Gegenstände von Tischen stöß oder sich seinen Weg durch schlecht platzierte Warenständer suchen muss, wird er frustriert sein und das Geschäft verlassen.

Raum

 Apple Store. Apple nutzt viel weißes und helles Licht und präsentiert seine Produkte mit genügend Abstand zueinander. Das Design der Produkte spiegeln sich im Design der Verkaufsfläche wider.

Apple Store. Apple nutzt viel weißes und helles Licht und präsentiert seine Produkte mit genügend Abstand zueinander. Das Design der Produkte spiegeln sich im Design der Verkaufsfläche wider.

Sind Sie jemals durch einen zu engen Laden gegangen und mit anderen Käufern zusammengestoßen? Solche Kleinigkeiten können das Einkaufserlebnis völligst ruinieren. Bei der Gestaltung eines Ladenlayouts ist der persönliche Raum enorm wichtig.

Online ist dies eine weiße Fläche und man muss Schwerpunkte setzen und Kunden durch wesentliche Elemente führen. Dasselbe gilt für physische Räume.

Neben Raum zum Atmen korreliert der ästhetische Aspekt des leeren und nahezu weißen Raums in hohem Maße mit der wahrgenommenen Qualität. Tatsächlich werden Sie bei vielen Luxusmarken mehr Platz vorfinden als bei anderen Einzelhandelsgeschäften.

Vom Schwerpunkt und von Hierarchie bis hin zu Dramatik und Raffinesse fügt genug Platz dem Design entscheidende Elemente hinzu.


"Gutes Design ist die richtige Nutzung des Raumes zwischen den Elementen."


Definition von UX

Benutzererfahrung (UX) ist ein eher analytischer und technischer Ansatz. Er bezieht sich auf die Emotionen und Einstellungen einer Person und wie diese mit jedem Aspekt der Produkte und der Dienstleistungen eines Unternehmens interagiert.

Ein Einzelhandelsgeschäft mit Rücksicht auf UX zu entwerfen, bedeutet, einen Ort zu schaffen, der nützlich ist, in dem man sich leicht orientieren kann und in welchem die Interaktion mit dem Produkt Freude bereitet.

Es geht darum, Trends zu übersetzen und ansprechende Produkte und Inhalte anzubieten, um ein attraktives und unvergessliches Einkaufserlebnis zu schaffen - eine ganzheitliche Kundenerfahrung.

 Sass & Bide Store in Australien. Unerwartete visuelle Elemente sind die Antwort auf emotionale und ästhetische Bedürfnisse des Kunden.

Sass & Bide Store in Australien. Unerwartete visuelle Elemente sind die Antwort auf emotionale und ästhetische Bedürfnisse des Kunden.

Machen Sie langsam

Der Bereich, den die Kunden zuerst im Laden betreten, wird als "Übergangszone" bezeichnet. In diesem Bereich gibt es visuelle Pausen - Beschilderungen, saisonale Anzeigen usw. -, die als "Verkehrsberuhigung" bezeichnet werden.

Diese Gruppierungen sind nicht etwa zufällig, sondern spielen eine wichtige Rolle bei der Visualisierung des Zusammenspiels von Produkten. Dies geschieht nicht nur aus monetären Gründen (aber letztendlich ist dies das Ziel), sondern auch, um eine Geschichte zu erzählen und dem Kunden das Gefühl zu geben, dass er stärker mit Ihrer Ware und Ihrer Marke verbunden ist.

Es versteht sich von selbst, dass dieser Bereich mit all seinen Displays zumindest ordentlich gepflegt und aufgefrischt - oder komplett aktualisiert - werden sollte.


Schon gut, schon gut, schon gut.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass in Amerika 90 Prozent der Verbraucher dazu neigen, auf der rechten Seite einzukaufen. Ob dies unbewusst geschieht oder nicht, Einzelhändler müssen diese Gelegenheit nutzen, um einen glanzvollen ersten Eindruck zu hinterlassen.

Die "Powerwall" - wie sie oft genannt wird - ist die erste Wand, die viele Käufer beim Betreten eines Ladens bemerken. Hier sollten Sie mit einem wirkungsvollen Display die Aufmerksamkeit Ihrer Kunden wecken.

Der Weg des geringsten Widerstands

Wenn Kunden durch Ihr Geschäft gehen, ist es wichtig, dass sie Ihren Produkten möglichst stark ausgesetzt sind.

Aus gestalterischer Sicht nutzen die meisten Geschäfte einen kreisförmigen Weg nach rechts, damit die Kunden in den hinteren Teil des Ladens gelangen und dann wieder nach vorne kommen können. Dies erhöht nicht nur die Chancen, dass sie etwas kaufen, sondern kann ein gut durchdachter Weg auch eine gute Möglichkeit sein, den Verkehrsfluss in Ihrem Geschäft strategisch zu steuern. Denken Sie einmal an IKEA und seine klar gestalteten Böden, die den Kunden von Bereich zu Bereich führen.


"Es geht darum, die kleinen Dinge unvergesslich und wertvoll zu machen."


Die Vorteile von UI und UX nutzen

Da die Kunden immer anspruchsvoller werden und der Handel immer härter um Marktanteile konkurriert, ist es unerlässlich, eine besondere Ästhetik zu bewahren.

Obwohl allgemein mit der Online-Welt verbunden, sind UI und UX auch in der realen Welt extrem wichtig. Bei der Gestaltung physischer Räume richtig angewandt, machen die visuellen Elemente und die Interaktionen im Laden selbst das Einkaufen für den Kunden bequem und stellen ihn zufrieden. Ein zufriedener Kunde kommt definitiv wieder.

Wichtig im Hinterkopf zu behalten ist dabei, dass es bei UI und UX nicht nur um Technologie, sondern auch um das Verstehen des Verbraucherverhaltens in der Offline-Welt geht.

 Adidas Originals Flagship Store in Paris. Genügend Platz zwischen den Produkten erschafft eine Atmosphäre, in welcher sich der Kunden willkommen und geborgen fühlt.

Adidas Originals Flagship Store in Paris. Genügend Platz zwischen den Produkten erschafft eine Atmosphäre, in welcher sich der Kunden willkommen und geborgen fühlt.


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Über Tom Van Soest

Tom Van Soest ist der CEO von Visual Retailing. Nachdem er seit Jahrzehnten in der Mode- und Einzelhandelsbranche gearbeitet hat, konzentriert sich Tom auf die Stärkung von Marken und Einzelhändlern, einen clevereren Arbeitsrahmen durch Technologie und kohäsive Vision zu erreichen. 

Um mit Tom in Kontakt zu treten, können Sie ihn auf LinkedIn oder Twitter finden oder ihn direkt per E-Mail kontaktieren. 


 

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