Black Friday - Fluch oder Segen?

 

von Tom van Soest

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Darüber streiten sich die Geister. Auf der einen Seite gibt es viele Händler, die diese Gelegenheit als große Chance sehen, ihren Umsatz stark zu steigern. Andere wiederum sagen, dass der Black Friday Ihre Verkaufsergebnisse für das restliche Jahr negativ beeinflusst. Das kommt vor allem von Einzelhändlern und kleineren Marken, die viele Kunden wegen den massiven Angeboten an “die Großen” verlieren.

Es gibt nicht wenige Leute, die sich schon Wochen im Voraus auf den Black Friday vorbereiten, sich durch ihre Lieblings-Onlinestores scrollen und Wunschlisten erstellen. Sobald der Sale losgeht, werden die Artikel nur noch in den Warenkorb geschoben und zack - haben sie sich einiges an Geld gespart (glauben sie zumindest).

 

Wie alles angefangen hat…

In den Anfängen von Black Friday sollte dieses Event Kunden in die Geschäfte locken, damit diese mit ihren Weihnachtseinkäufen starten, denn es fiel direkt auf den Tag nach Thanksgiving.

Das erste Mal, dass der Ausdruck “Black Friday” benutzt wurde, hatte erst einmal nichts mit einem tollen Shoppingerlebnis zu tun, sondern wurde gebraucht, um den Börsencrash von 1896 in den USA zu beschreiben.¹ Einige Zeit später in 1980, haben Händler den Begriff neu erfunden und ihn wieder in ein etwas positiveres Licht gerückt, als diese an diesem Tag zum ersten Mal wieder Gewinn verschreiben konnten. Es wurden wieder “schwarze Zahlen” geschrieben. Heute ist Black Friday der offizielle Start für die Weihnachts-Shoppingzeit.

 

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen

Wenn man sich die Zahlen der letzten Jahre ansieht, ist deutlich, dass viele Händler stark von Black Friday profitiert haben. Laut Adobe Analytics, haben US-amerikanische Unternehmen am 24. November 2017 einen Rekord von 7,9 US-Dollar verdient. Dies ist eine Steigerung von beinahe 18% zum Vorjahr. NRF verzeichnete, dass im selben Jahr 174 Millionen Amerikaner während des “Black Weekend” (das Wochenende zwischen Thanksgiving bis Cyber Monday) in den Geschäften unterwegs waren und was kauften. 64 Millionen shoppten sowohl online als auch offline, 58 Millionen waren nur online unterwegs und 51 Millionen streiften befanden sich im stationären Handel. 11% der Einkäufer starteten mit ihren Einkäufen sogar um 17 Uhr an Thanksgiving. Die populärsten Deals unter den Verbrauchern waren Tablets, Laptops, PCs und TVs (27%), gefolgt von Kleidung (24%) und Smart-home Gadgets (15%).

Die Liste der Top Onlinehändler am Black Friday wurde 2016 von Amazon angeführt, gefolgt von Walmart.com und Best Buy. Seitdem hat sich an dieser Reihenfolge nicht viel geändert. Amazon-Gründer Jeff Bezos' Wert erreichte einen Tag nach Thanksgiving die 100 Billion US-Doller-Grenze.

 

Von den Staaten in die ganze Welt

Black Friday feiert seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten, ist aber heute auch ein großes Event in Europa. Die Niederlanden, Belgien, Deutschland, Schweden und Frankreich haben sogar Webseiten, die allein Black Friday Sales gewidmet sind, in 2017 gegründet.

 

Hat Black Friday seine Relevanz verloren oder ist er erfolgreicher als jemals zuvor?

 Menschen campen in der Nacht von Thanksgiving auf Black Friday for Best Buy

Menschen campen in der Nacht von Thanksgiving auf Black Friday for Best Buy

Meinungen gehen bei dieser Frage stark auseinander. Während viele meinen, dass Black Friday seine Relevanz verloren hat und einem Abwärtstrend entgegenblickt, sieht man dennoch immer noch viele Familien, die sich ab 5 Uhr morgens in einer Reihe vor Best & Buy anstellen. Es kann angenommen werden, dass aufgrund des Aufstiegs von eCommerce, Kunden nicht mehr auf besonderen Preissenkungen oder Angeboten im konventionellen Geschäft angewiesen sind. Sie können schließlich alles was sie wollen, wann immer sie wollen und egal wo sie sich befinden, im Internet bestellen.

Das konventionelle Geschäft hat schon längst begriffen, dass es nicht mehr ausreicht, einen gut befüllten Laden hinzustellen. Um mit dem Online-Geschäft mithalten zu können, vor allem wenn Black Friday näher rückt, muss man schon mehr als Rabatte bieten. Die Verkaufsteams im Laden müssen “synchron mit den Kunden sein”.²

Die Kundenfrequenz stieg Black Friday signifikant um 65% an, verglichen mit einem normalen Novembertag in 2016 in Amerika. Klingt doch eigentlich vielversprechend, oder?

 

Fluch oder Segen?

Aber ist Black Friday wirklich die Geldmaschine, wie viel Händler annehmen? Viele von ihnen wissen, dass dieser Tag keine extra Ausgaben seitens der Kunden bedeutet, sondern den Umsatz im Jahr nur etwas nach Vorne schiebt. Anstatt, dass Kunden hier und da Dinge kaufen, kommt sie alle gemeinsam in der "Black Week" und geben ihr Budget für das restliche Jahr in diesem Zeitraum aus. Manche würden annehmen, dass es keine Rolle spielt, wann die Kunden ihr Geld ausgeben, solange das Geschäft davon profitiert. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man dadurch einen konstanten Verkehr im Laden wirklich verlieren will.

Auf der anderen Seite is Black Friday eine gute Möglichkeit, um Markenbekanntheit zu schaffen, wenn man an solchen Events teilnimmt. Gregory Winters, North East Visual Manager bei Jettco International, sagt, dass die Perfektionierung dieser Angebotstage für die Langlebigkeit des Einzelhandels von größter Bedeutung ist und gleichzeitig auch die Kundenbindung steigert. Das Konzept, die Verkaufszahlen im Einzelhandel mit raffinierten Verkaufstechniken, speziellen Angeboten und einprägender Werbung zu steigern, ist nicht Neues. Da die Verbraucher immer auf der Suche nach Schnäppchen sind, bietet das Konzept von Black Friday, eine effektive Möglichkeit, Interesse zu wecken, was natürlich wiederum zu starken Umsatzsteigerungen bei Produkten führen kann. Insbesondere bei technischen Artikeln und anderen Produkten, die sich normalerweise im höheren Preissegement befinden.” Er sieht in Black Friday also die Chance, neues Interesse am Einkaufen und höhere Ausgaben auf Seiten der Konsumenten, im konventionellen Geschäft anzukurbeln.

 

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Kunden werden zunehmend gestresster von zu vielen Black Friday Angeboten

Wie anzunehmen ist, gibt es viele negative Stimmen, wenn es um Black Friday geht. B&Q zum Beispiel, haben sich bewusst dagegen entschieden, an diesem Event teilzunehmen. Untersuchungen von ihnen zeigte, dass viele Konsumenten marken mehr Glauben und Vertrauen schenken, wenn diese das ganze Jahr über die Preise niedrig halten, anstatt alles an einem Tag rauszuhauen. Die ist definitiv ein Schlüsselfaktor, den Unternehmen in Betracht ziehen sollten, wenn sie versuchen wollen ein konsistentes Markenimage nach außen zu tragen und eine beständige Kundenbindung aufbauen wollen.

Black Friday können nicht nur einen Verlust an Vertrauen vonseiten der Kunden mit sich bringen, sondern auch viele Kunden in Stresssituationen treiben. Viele Kunden berichteten, dass sie sich von Black Friday und den ganzen Angeboten überfordert fühlen. Wenn diese an diesen Tagen, unüberlegte und schnelle Entscheidungen treffen müssen, und nach einigen Tagen oder Wochen enttäuscht von ihren Einkäufen sind, kann dies auch zu negativen Assoziationen mit denjenigen Marken führen.³

 

Fluch UND Segen

Zu guter Letzt gilt (fast wie immer): Wenn Sie herausragende Ideen für die Teilnahme am Black Friday haben, die Kundenvertrauen in Ihre Marke weckt und sie dazu bewegt, nicht nur an einem (black) Tag oder einer (black) Woche, bei Ihnen zu kaufen, dann können Händler sehr stark vom Black Friday profitieren. Auch ist dies natürlich von der Markenstrategie und der Konkurrenz abhängig. Jeder muss dabei selbst sehen, inwieweit er dabei teilnimmt oder nicht.

So sei alles gesagt, viel Spaß beim Shoppen!

Quellen

¹ History ; ² Retail Dive ; ³ Retail Gazette


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Tom van Soest

ist der CEO von Visual Retailing. Nachdem er seit Jahrzehnten in der Mode- und Einzelhandelsbranche gearbeitet hat, konzentriert sich Tom auf die Stärkung von Marken und Einzelhändlern, einen clevereren Arbeitsrahmen durch Technologie und kohäsive Vision zu erreichen. Um mit Tom in Kontakt zu treten, können Sie ihn auf LinkedIn oder Twitter finden oder ihn direkt per E-Mail kontaktieren. 


 
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