Während Händler Communities bilden, formen Communities den Handel

 

Geschrieben von Catherine Erdly

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Communities als Erfolgsfaktor für Händler im Jahr 2019 und darüber hinaus 

Wie sind die Strategien von Einzel- und Großhandel, wenn Sie ins Jahr 2019 blicken? Wie wollen Sie Umsatzsteigerung erreichen, Ihre Kunden binden und ihnen helfen, sich durch die sich immer wandelnde Industrie zu lenken?

Eine Community (engl. Gemeinschaft) von Kunden zu haben, die die Werte einer Marke oder eines Unternehmens teilen und in deren Vision vertrauen, ist nicht mehr ein einfacher Teil einer Strategie. Vielmehr spielt dieser Aspekt eine immer wichtigere Rolle in jeglicher Überlebensstrategie für die meisten Unternehmen. 

Schauen Sie sich einmal Superdrug an. Es war einer der wenigen Firmen, die tatsächlich positive Performance dieses Jahr verschreiben konnten. Dies war sicherlich kein Zufall, denn sie waren eine der wenigen Ketten, die die Bildung einer starken Community auf ihre Prioritätenliste geschrieben haben. Von ihren „Vegan Superdrug pop up stores“ bis hin zu „Shades of Beauty“, eine Kampagne, um Frauen mit farbigen Hautton Haut- und Haarpflege erschwinglich und leicht zugänglich zu machen, haben sie Mikro-Communities in Ihrer Kundenbasis engagiert.

 

Ihre Community ist Grundlage für Superfans

Wenn Sie sich nur auf den Wettbewerb um niedrige Preise und den Komfortfaktor fokussieren, dann ist Ihre Community weniger wichtig. Wenn Sie allerdings mit Ihrer Stärke und Überlegenheit an Ihre Konkurrenz antreten wollen, dann ist Ihre Community definitiv der Schlüssel zum Erfolg.

Ihre Community bereitet die Basis für Superfans vor – diese Kunden werden authentische Markenverfechter und helfen dabei, das Markenimage an die Öffentlichkeit zu bringen und zu verteilen.

 

Communities bilden den Handel

Der Wendepunkt in dieser Geschichte ist, dass Communities, die sich um gemeinsame Interessen gebildet haben, nun selbst Einzelhandelsmöglichkeiten erschaffen haben.

Wahrscheinlich stellt Glossier einer der besten Beispiele hierfür dar. Die Marke ist aus dem Kultblog „Into The Gloss“ heraus entstanden. Erst als dieser Blog eine Community gebildet hat, wurde die Marke Glossier geboren – geformt von den Bloglesern, welche einen großen Einfluss auf diejenigen Produkte hatten, die Glossier heute aus- und erfolgreich machen.

 

Social eCommerce führt die Spitze an

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Social Commerce (Verkauf durch Social Media), nährt den Trend, denn auf diesen Plattformen ist es sehr einfach, an seine Community zu verkaufen.

Depop ist das perfekte Beispiel für Social Commerce, und ist heute eine unerlässliche Kraft im Handel. Was als Soziales Netzwerk für Leser des PIG Magazine gestartet hat, generiert heute £300 des jährlichen Umsatzes durch 10 Millionen registrierte User und hat die Arte und Weise wie Generation Z Kleidung kauft, von Grund auf revolutioniert.

 

Der stationäre Handel ist die nächste Stufe für Communities, die online aufgewachsen sind

Während Glossier und Depop ihre Wurzeln beide im Online-Geschäft haben, haben beide angefangen, in den stationären Handel zu investieren. Sie starteten mit mehreren Versuchen, Pop-up Stores, aber auch direkt mit permanenten Geschäften.  

Jedoch sind nicht nur die größeren Firmen diejenigen, die diesen Schritt wagen. Viele kleinere Online-Communities eröffnen stationäre Geschäfte, an guten Locations, für Pop-up-stores oder längerfristige Geschäfte.

 

Auch kleine Communities wagen den Sprung

In diesen Situationen übernimmt der Community-Inhaber die Verantwortung für die Miete, kuratiert die Markenselektion und koordiniert das stationäre Geschäft, welches die Mitglieder der Community präsentiert. Dies ist quasi das Kaufhausmodell auf einer Mikroskala – kleineren Unternehmen physische Räume zu bieten, damit diese direkt vor Ihre Kunden treten können.

In London gibt es schon mehrere Beispiele von diesem Phänomen. Ein Vorteil davon ist, dass die Community nicht etwa schon eine Anhängerschaft hat, sondern dass dadurch auch jede Marke schon ihre Fans hat, was ein größeres Netzwerk an interessierten Menschen mit sich bringt.

 

Community leitet Pop-up-Stores

The Mamahood ¹, eine Community geleitet von Diana Bodega, ist das perfekte Beispiel. In East Dulwich ansässig, präsentiert dieses Pop-up fas 60 Marken, welche alle von Müttern gegründet wurden und geführt werden.

Lone Design Club ², von Rebecca Morter und Stephanie gegründet, eröffnete mehrere Pop-up-Stores in London seit 2016. Somit gaben Sie kleinen, aufstrebenden Designern die Chance, mit Ihren Kunden in Kontakt zu treten. Ihr letztes Pop-up setzte den Fokus auf einen „Anti Black Friday“, und fand vom 15. bis zum 25. November 2018 auf der Charing Cross Road in London statt.

Janet's List ³ ist eine Webseite und ein Podcast gegründet von Janet Oganah und präsentiert Marken, die von farbigen Frauen aufgezogen wurden. Sie finden einen Pop-up store vom 1. bis zum 16. Dezember in der Brick Lane, London.

Der Vorteile von solchen Projekten ist nicht nur, dass eine Community ihre Fans hat, sondern dass die Marken innerhalb dieser Community auch ihre eigenen Gemeinschaften zusammenbringen und somit einen größeren Effekt erzielen.

 

Community als Antriebsfaktor für den „neuen Handel“ 

Wie diese Beispiele zeigen, sowohl an kleineren als auch größeren Unternehmen, in die Welt des stationären Handels einzutreten ist kein Zuckerschlecken, wenn man keine Community hinter sich hat.

Meine Vorhersage ist, dass traditionelle Händler weg vom stationären Geschäft treten und den Communities Vortritt gewähren sollten. Es sind gerade diese Gemeinschaften, die online geboren werden und bereit sind, mit ihren Kunden in direkten Kontakt zu treten. Sie werden Verantwortung übernehmen, wenn es um das physische Geschäft geht. 

Was ich mich frage, ist, ob Händler schon genug tun, um die Macht von Communities für sich zu nutzen, so wie es Superdrug getan hat? Wie können Sie noch mehr tun – sollte ein Chief Community Officer Realität im Management werden?  

Wir blicken dem neuen Jahr 2019 entgegen und sind schon gespannt, wie Einzel- und Großhändler, neuen Herausforderungen entgegen sehen.


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Über Catherine Erdly

Catherine ist eine professionelle Einzelhandels-Expertin, die leidenschaftlich Marken und Unternehmen hilft, sich für die Zukunft in dieser Branche zu wappnen. Als erfahrene Rednerin, Eventorganisatorin und Workshop-Vermittlerin, hat sie das Talent, Leute in einem positivem Umfeld zusammenbringen, um sie gemeinsam auf die Herausforderungen im Handel vorzubereiten. Sie ist die Gründerin der „Future of Retail“-Serien, die in den letzten Jahren, relevante Themen für den Handel thematisiert haben, wie zum Beispiel denEinfluss des Brexit, die voranschreitende Dominanz von Amazon und die Zukunft vom stationären Handel. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Bereich Kleidung, Kinder und Home, hat sie mehrere Positionen als Senior Merchandiser innegehabt. Darunter waren namenhafte Unternehmen im Vereinigten Königreich und in den Staaten. Nehmen Sie mit Catherine hier Kontakt auf.


 
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